Die Personalleiterin der KELAG, Mag. Michaela Sapetschnig, absolvierte ihren Brückenschlag im Alten- und Pflegeheim „Haus Elvine“ der Diakonie de La Tour.

 

Es zählt nicht was Du bist, sondern wie Du bist…

 

Wie ich meine Einsatzzeit rückblickend gegenüber anderen beschreibe…
Eine tolle Erfahrung, die ich machen durfte. Von heute auf morgen in eine völlig neue Arbeitswelt – in eine völlig ungewohnte Position eintauchen dürfen. Neue Menschen kennenlernen und neue Gesichtspunkte aufnehmen. Die Welt mit einer anderen Brille anschauen können. Viele kleine schöne aber auch bedrückende Erlebnisse und Momente werden mich lange begleiten.

Was habe ich mir von meinem Brückenschlag erwartet?
Neue Erfahrungen, neue Menschen, neue Blickwinkel.

Was wurde davon erfüllt?
Alles und noch mehr!

Wie wurde ich von den MitarbeiterInnen und BewohnerInnen im Haus Elvine aufgenommen?
Alle MitarbeiterInnen und BewohnerInnen im Haus Elvine haben mich überaus freundlich und ohne Scheu aufgenommen. Nochmals vielen Dank an alle, mit denen ich zusammenarbeiten bzw. die ich betreuen durfte.

Welche besonderen Erfahrungen habe ich gemacht? Was war für mich völlig neu und besonders interessant?
Ich habe gelernt wie wichtig es ist Menschen Zeit zu widmen. Ich habe gelernt wie relativ manche „Alltagsprobleme“ im privaten Umfeld aber auch in der Firma sind, wenn man in einem teilweise sehr schwierigen Pflegeumfeld ist. Ich habe mitgenommen, dass sich Prioritäten im Leben schnell ändern können – sowohl bei mir als auch bei den BewohnerInnen. Ich habe gespürt, dass man von so einer Aufgabe auf eine andere Art und Weise vereinnahmt wird und somit sich ganz und gar der Sache widmet und damit auch einen neuen Level der geistigen Absenz vom Firmengeschehen erleben kann. Ich habe gesehen wie dankbar die pflegebedürftigen Menschen für jede Art von Hilfe und Aufmerksamkeit sind. Ich kann bestätigen, dass sich wirklich viele Parallelen von Kindern zu älteren Menschen ziehen lassen. Es hat sich für mich bestätigt, dass je mehr man bereit ist zu geben und sich einzulassen, desto mehr bekommt man auch retour. Völlig neu war für mich der Umgang mit gehbehinderten Menschen (Rollstuhlfahrer) und Demenzkranken.

Was lässt sich in mein berufliches Umfeld mitnehmen?
Das Verständnis anderer Bedürfnisse und Sichtweisen noch stärker wahrzunehmen, trotzdem mit der Erfüllung zeitlich und intensitätsmäßig richtig umgehen. Den Fokus noch mehr auf die wirklich wichtigen Dinge legen. Kleinigkeiten können viel bewirken. Das man in Situationen die höchst belastend sind ganz gut mit eingesetztem Humor weiter kommt.

Einige Bilder, die mich jetzt, kurz nach Abschluss des Brückenschlags spürbar begleiten…
Die Intensität der Gruppendynamik ist unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand. Der Grundcharakter eines Menschen bleibt dem Grunde nach bis zum Tode unverändert. Bilder über bewegungsunfähige Bewohner, teilweise auch nicht mal mehr mitteilungsfähig die trotz alledem aufopferungsvoll gepflegt (alle vier Stunden umgelagert, mehrmalige Körperpflege, mehrmals am Tag vom Bett in den Gemeinschaftsraum gebracht, Essen zugeführt, ….) werden. BewohnerInnen die dankbar sind für jede Hilfe und Zeit die man ihnen widmet. Wie ich eine Frau überzeugen konnte ein paar schöne Kurzarmleibchen von einer anderen Bewohnerin anzunehmen und die am nächsten Tag stolz mit dem neuen T-Shirt durch das Wohnheim spaziert. Eine Bewohnerin, die Angstzustände hat und Vertrauen zu mir gefunden hat, um dann ihre Medikamente und ihr Essen von mir anzunehmen. Das schönste Erlebnis für mich war aber, als ich mit einer Bewohnerin nach einem beschwerlichen Besuch beim Optiker am Hauptplatz einen Eiskaffee gelöffelt habe – und den Genuss und die Freude den die alte Dame dabei hatte, dieser Moment wird für mich immer unvergesslich bleiben. Nach einem beschwerlichen 5 Stunden Ausflug zu zwei Terminen mit einer Bewohnerin, wo ich immer meine positive Einstellung zu allem gezeigt habe und auch meinen Humor verwendet habe, um gemeinsam gut durch den Stress zu kommen, bekam ich von der alten Dame die coole Aussage: „Deinen Humor möchte ich mal haben“.

Das Allerwichtigste, das ich mitnehme, ist…
Dass ich jetzt im Experimentierumfeld selbst testen konnte, dass man mit Engagement, Hausverstand und Willen alles anpacken kann, was man möchte und das auch alles gelingen wird. Das ich durch meine Art auf Menschen zuzugehen in jeglichem Umfeld „Brücken schlagen“ kann. Dass das Leben viel zu kostbar ist, um sich mit „unwichtigem Kleinkram“ herumzuplagen. Und dass meine Grundsatzeinstellung zu Menschen – alle immer auf Augenhöhe und mit Respekt zu behandeln – die absolut richtige ist.