Interview Bernhard Rebernig, Präsident Ökosoziales Forum Kärnten im Rahmen der Interviewserie „Chancen sehen“ des Verantwortung zeigen! Netzwerks.

Die Interviewserie lässt uns an den persönlichen Erfahrungen während der Zeit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 teilhaben und an jenen Perspektiven, die sie für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft daraus gewonnen haben.

 

  1. Was waren die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Wochen?

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Gesellschaft bereit ist ihr eigenes Verhalten zum Wohl der Allgemeinheit zu verändern. Voraussetzung für die Akzeptanz der drastischen Maßnahmen der Politik war aber sicherlich, dass die Menschen eine unmittelbare Betroffenheit verspürt haben. Das ist auch der große Unterschied zur Klima-Krise die langfristig wesentlich dramatischere Folgen für jeden einzelnen haben wird. Was da aber fehlt, ist die unmittelbare Betroffenheit.

 

  1. Was war der wohl prägendste Moment?

Die Taufe unseres Sohnes Clemens war am 15. März als im Kreis der Großfamilie geplant und wir hatten uns schon sehr darauf gefreut. Als wir auf Grund der von der Bundesregierung am 13. März verordneten Maßnahmen kurzfristig allen absagen mussten, war die Krise unmittelbar in unserem Leben angekommen. Meiner Frau und mir wurde klar, jetzt steht die Gesundheit der Familie über allem anderen.

 

  1. Was ist das Allerwichtigste, das Sie sich wünschen, dass wir aus der Krise lernen?

Dass wir gemeinsam als Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Kraft in uns haben, globale Krisen zu meistern – wenn wir nur wollen! Und dass es das Engagement eines jeden Einzelnen dazu braucht. Wenn wir aber alle an einem Strang ziehen, bevor die Krise mit voller Wucht zuschlägt, umso besser für alle Beteiligten.

 

  1. Wo braucht es in Wirtschaft und Gesellschaft auch neue Wege?

Die Krise hat die Wirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt. Es gilt, die nun geplanten Konjunkturpakete dazu zu nutzen, unser Wirtschaftssystem krisensicher und klimaschonend zu gestalten. Investitionen in grüne Technologien, Gebäudesanierungen, alternative Energien haben dabei eine doppelte Dividende – sie schaffen neue Arbeitsplätze und beschleunigen den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter. Diese Chance dürfen wir nicht auslassen!

 

  1. Welches Motto würden Sie der Zeit nach Corona zuschreiben wollen?

Wenn ich es mir aussuchen könnte: Machen wir uns auf den Weg in eine bessere Zukunft!

 

  1. Welches Glück haben Sie in den letzten Wochen entdeckt?

In der Krise gewinnen die existenziellen Fragen an Bedeutung. Gesundheit in der Familie steht dabei natürlich an erster Stelle. Ansonsten habe ich die Zeit des Home-Office als Glück empfunden, da mehr Zeit für die Kinder da war als sonst.

 

07. Mai 2020