Interview Michael Kraiger, Geschäftsführer Lisa Film im Rahmen der Interviewserie „Chancen sehen“ des Verantwortung zeigen! Netzwerks.

Die Interviewserie lässt uns an den persönlichen Erfahrungen während der Zeit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 teilhaben und an jenen Perspektiven, die sie für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft daraus gewonnen haben.

 

  1. Was waren die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Wochen?

Die wichtigsten Erkenntnisse der letzten Wochen bezogen sich auf spürbare Erfahrungen einer gewissen Zerbrechlichkeit unseres gesellschaftlichen Status Quo und die damit verbundene Notwendigkeit darüber nachzudenken neue Wege auszuprobieren und zu finden. Die Kreativität und Flexibilität wurden dadurch stark angeregt.

 

  1. Was war der wohl prägendste Moment?

Der prägendste Moment der letzten Wochen war mitzuerleben, dass es ganz plötzlich möglich war Menschlichkeit (vor allem der älteren Generation gegenüber) vor wirtschaftliche Auswirkungen zu stellen. Offensichtlich auch im Augenschein der Bilder aus Bergamo, Paris und New York.

 

  1. Was ist das Allerwichtigste, das Sie sich wünschen, dass wir aus der Krise lernen?

Die durch die Möglichkeit des Innehaltens gewonnenen Erkenntnisse sollten zu mehr Entschleunigung und Nachhaltigkeit führen – und auch in wirtschaftlichen Prozessen verstärkt mitgedacht werden. Die Verletzlichkeit der Welt und des Menschen sollte zu einem allgemein bewussteren Umgang miteinander und untereinander führen.

 

  1. Wo braucht es in Wirtschaft und Gesellschaft auch neue Wege?

Ich glaube, dass das Regionale und Bodenständige wieder mehr in den Fokus gerückt werden wird. Neue Wege werden Unternehmen, so auch wir, z.B. im Bereich des Teleworking und der Video-Konferenz gehen. Es wird notwendig sein, von der Quantität weg hin zu mehr Qualität zu kommen. Und die Bereitschaft der Konsumenten dies auch zu honorieren.

 

  1. Welches Motto würden Sie der Zeit nach Corona zuschreiben wollen?

Mehr Dankbarkeit entwickeln für die kleinen Dinge des Lebens. Mehr Sinn für die Einfachheit des Seins entdecken. Mehr Kraft in neue konstruktive Wege und (ungeahnte) Möglichkeiten stecken. Das Gemeinwohl dabei nicht aus den Augen verlieren.

 

  1. Welches Glück haben Sie in den letzten Wochen entdeckt?

Täglich die Natur beim Blühen zu erleben, wie nie zuvor. Besonders intensive Zeiten mit der Familie zu verbringen. Für die Nachbarn die Einkäufe erledigen. Staunen, wie die ganze Welt in einer Krise verschmilzt und die Menschen zusammenhalten können. Viele Möglichkeiten für Glücksmomente!

 

30. April 2020