Interview Susanne Maurer-Aldrian, Geschäftsführerin Lebenshilfen Soziale Dienste im Rahmen der Interviewserie „Chancen sehen“ des Verantwortung zeigen! Netzwerks.

Die Interviewserie lässt uns an den persönlichen Erfahrungen während der Zeit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 teilhaben und an jenen Perspektiven, die sie für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft daraus gewonnen haben.

 

  1. Was waren die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Wochen?

In dieser Krise haben wir beschlossen, uns nur auf Lösungen zu konzentrieren. Kein Ausweiden etwaiger Problemlagen, sondern: Analyse, Fakten, Lösungen. Ein ganz wesentlicher Faktor immer und gerade in einer von physischer Distanz geprägten Situation ist es, einen guten Weg für transparente Kommunikation zu finden. Außerdem haben wir die Jammerkultur auf einen Sinnurlaub geschickt. Sie ist noch nicht zurückgekommen.

 

  1. Was war der wohl prägendste Moment?

Schon im Feber gab es einen Lieferstopp für Desinfektionsmittel bei deutschen Herstellern. Das machte uns sehr hellhörig. Dass dann doch einige unserer KundInnen und MitarbeiterInnen positiv auf COVID 19 getestet wurden, war schon sehr prägend.

 

  1. Was ist das Allerwichtigste, das Sie sich wünschen, dass wir aus der Krise lernen?

Digitale Meetings sind megaeffizient. Ich freue mich auf den informellen Part. Dieser motiviert uns, hält uns zusammen, er stärkt unseren Purpose.

 

  1. Wo braucht es in Wirtschaft und Gesellschaft auch neue Wege?
  • Sicher im Arbeits- und Führungsverständnis. Die Zeiten, wo der Mitarbeiter des Jahres jener war, der als letzter das Büro verlässt und das Licht abdreht, sind nun definitiv vorbei. Wir brauchen auch keine Cowboys oder Helden.
  • Das agile selbstverantwortliche Arbeiten ist aber in so einer Krise auch an seiner Grenze.
  • Ich finde, dass wir diese vielen positiven Impulse der Solidarität nutzen müssen und nachhaltig erhalten. Bei der Flüchtlingskrise haben wir das nicht geschafft und sind schnell in eine sehr grausliche Debatte gerutscht.
  • Darüber hinaus meine ich, dass die regionale Wirtschaft gestärkt werden muss. Dass die Gemeinschaften generell gestärkt werden müssen.

 

  1. Welches Motto würden Sie der Zeit nach Corona zuschreiben wollen?

Ciao mit au! Dieser flapsige Spruch? Ich möchte diese Phase summa summarum aber auch nicht überinterpretieren. Wir haben einiges gelernt, manches wollen wir verstärken. Anderes in dieser Phase aber auch dringend wieder ablegen. Ein Krisenmanagement ist auch etwas sehr rigides. Beteiligung und flache Hierarchie machen da Pause. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass uns diese Krise auf Dauer nicht demütiger machen wird. Wir werden, wenn wir nicht alle darin einen Sinn sehen, auch nicht nachhaltiger leben und besser auf unsere Umwelt achten. Dazu braucht es einen positiven, zukunftsorientierten Diskurs und Investition in die Gemeinschaft. Um dies alles zu lernen, brauchen wir also Corona nicht, wir brauchen dafür keine Lebensgefahr und  ich weigere mich auch ein bisschen diesem Virus ein Motto zu geben, außer dass es keinen Platz in unser Welt mehr bekommen soll.

 

  1. Welches Glück haben Sie in den letzten Wochen entdeckt?

Wir leben in Österreich, in Graz, ich habe eine gesunde Familie und wir reden auch noch miteinander. Alles wird gut!

 

 

10. Mai 2020