2. Generationendialog beleuchtet Mitarbeiterbindung
Graz, 11. Februar 2026. Der zweite Generationendialog „Werte im Wandel – zwischen Bindung und Flexibilität“ widmete sich der Frage, wie (junge) Menschen lange in einem Unternehmen bleiben können. Er griff die zunehmende Bereitschaft von Mitarbeitenden, den Arbeitsplatz zu wechseln und deren wirtschaftliche Konsequenzen für Unternehmen auf und lud etablierte Führungskräfte und future minds^ zum Dialog. Das Ergebnis: Bindung entsteht dort, wo Menschen sich gesehen fühlen, wo Führung Verantwortung übernimmt – und wo Generationen einander wirklich zuhören.
Durch den Nachmittag führten Iris Straßer, Geschäftsführerin von Verantwortung zeigen!, und Martin Straßer, Leiter der future minds^. Iris Straßer eröffnete die Veranstaltung und begrüßte etablierte Führungskräfte, junge Mitdenkende sowie die Vertreter:innen der Netzwerkunternehmen im Publikum. Sie betonte das Ziel der Generationendialoge 2026: „Räume zu schaffen, in denen Generationen einander zuhören, Perspektiven austauschen und gemeinsam Zukunft gestalten.“ Sie dankte dem Landesdirektor der Wiener Städtischen Versicherung und Gastgeber der Veranstaltung Michael Witsch, bevor Martin Straßer inhaltlich einstieg.
Die Verantwortung-zeigen-Bindungsthese
Martin Straßer präsentierte die „Verantwortung-zeigen-Bindungsthese“. Im Zentrum stehe das faire Verhältnis von Leistung und Gegenleistung. Bindung gelinge dann, wenn dieses Verhältnis als stimmig erlebt werde. Lebensphasen und generationenspezifische Prägungen beeinflussten Erwartungen an Arbeit und Führung. Entscheidend sei „regelmäßiges, offenes und ehrliches Aushandeln“ zwischen Mitarbeitenden, Führungskräften und Unternehmen.
Perspektive der etablierten Führungskräfte
Die persönliche und die wirtschaftliche Dimension von Bindung
In der ersten Dialogrunde, in der die etablieren Führungskräfte mit sehr persönlichen Erfahrungen einstiegen, wurde deutlich: „Es hängt alles von den Führungskräften ab.“ Vertrauen und das Gefühl, gesehen zu werden, seien zentrale Faktoren, aber auch die Kultur zähle. Eine Führungskraft brachte es auf den Punkt: „Die Kultur des Unternehmens hat mich ausreichend über schlechte Führungskräfte drübergetragen.“
Auch wirtschaftliche Aspekte wurden erörtert. IKEA Österreich Süd-Geschäftsführer Gottfried Kienzl berichtete vom Aufwand der vergleichsweise hohen Fluktuation gerade in den ersten Monaten der Betriebszugehörigkeit. Michael Witsch betonte, wie viel Wissen mit jedem Mitarbeiterwechsel verloren gehe und dass Ausbildung jeweils neu mit hohen Kosten und Investitionen verbunden sei. Dies bestätigte und unterstrich Christopher Hermann, Geschäftsführer von AT&S Fehring. Peter Gschiel, Vertriebsdirektor BILLA Steiermark und Südburgenland ergänzte, dass Veränderung auch Erneuerung bringen könne. „Nicht jedes alte Wissen brauchte es für die Zukunft.“ Johannes Kielnhofer, Vorstand der Sparkasse Pöllau ergänzte den Aspekt, dass jeder Wechsel Vertrauensverlust auf Kundenseite bedeute und Katrin Pucher, Vicepresident bei KNAPP verwies auf Stress und Unsicherheiten im Team, die jeder personelle Wechsel mitbringt.
Zum Abschluss der ersten Runde wandte sich Iris Straßer mit einer offenen Frage an die Führungskräfte: Was möchten sie tatsächlich von den Jungen wissen? Die Antworten waren ehrlich:
- „Wie seid ihr denn wirklich?“ und „Warum ist niemand mobil?“
- „Was erwartet ihr euch von Führungskräften, damit Bindung gestärkt wird?“
- „Was können wir von euch erwarten?“
- „Was passt euch derzeit nicht im Unternehmen?“
- „Was begeistert euch wirklich – statt, dass ihr nur brav eure Leistungen erbringt?“
Diese Fragen öffneten den Raum für Perspektivenwechsel und echte Neugier auf die andere Generation.
Perspektive der future minds^
Vertrauen, Führung, Sicherheit, Integrität und Augenhöhe
Moderiert von Martin Straßer schilderten in der zweiten Dialogrunde Philip Haas (Wiener Städtische), Barbara Wrolich (Slowenischer Wirtschaftsverband), Denise Falk (IKEA), Hanna Nestler und Selina Erdkönig (beide KNAPP) und Bastian Bruchmann (AT&S) ihre Erfahrungen. Denise Falk erzählte von einer Führungskraft, die sie „größer gesehen hat, als ich mich selbst gesehen habe“. Teamzugehörigkeit sei für sie entscheidend: „Mein tolles Team verlasse ich nicht so einfach.“
Selina Erdkönig schilderte, dass sich auch ein interner Führungswechsel „wie ein neues Unternehmen“ anfühlen könne. Bastian Bruchmann betonte, Sicherheit bedeute für seine Generation vor allem Planbarkeit und Verlässlichkeit. Einigkeit herrschte darüber, dass Integrität, Augenhöhe und emotionale Sicherheit Bindung stärken.
Weitere zentrale Aussagen der future minds^:
- Führung muss individuell gestaltet sein – nicht alle Mitarbeitenden brauchen das Gleiche.
- Integrität schafft Grundvertrauen.
- Je besser der größere Zusammenhang verstanden wird, desto stärker ist das Engagement.
- Augenhöhe zwischen Generationen ist essenziell.
- Junge Menschen wechseln, wenn sie berechtigt unzufrieden sind („Das würdet ihr Ältere in derselben Situation ebenso tun“).
- Emotionale Sicherheit und gutes Teamklima sind zentrale Faktoren.
- Wir geben Transparenz – auch in Gehaltsfragen.
Barbara Wrolich formulierte es so: „Wir geben ganz viel Leidenschaft und Liebe, wenn wir uns für ein gemeinsames Ziel wirklich einbringen können.“
Chefentwicklung ist Investition in Mitarbeiterbindung – einander zuhören zählt
Im dritten Teil öffnet sich die Runde. In einem Statement am Freien Sessel in der Runde erinnerte Tina Schifko, Geschäftsführerin Odilien-Institut an den Satz: „Man bewirbt sich bei einem Unternehmen und verlässt eine Führungskraft.“ Damit sei Führungskräfteentwicklung die beste Mitarbeiterbindung. Daniela Tschofenig, Geschäftsführerin Diakonie de La Tour Steiermark plädierte dafür, stärker von „Chefentwicklung“ zu sprechen. Michael Witsch brachte KI als Entlastung ins Spiel – gewonnene Zeit müsse jedoch bewusst für persönliche Gespräche genutzt werden.
Zum Abschluss formulierte Tim Singer von Alpacem als Vertreter der future minds^ ein klares Plädoyer: „Wir müssen uns die Zeit nehmen, den Jungen – unserer Generation – einfach zuzuhören. Ehrlich zuzuhören.“
Diese Worte nahmen Iris und Martin Straßer als Schlussgedanken auf. Mit den Worten „Vielen Dank Ihnen und Euch allen fürs Kommen. Wir freuen uns auf die Fortsetzung“ schlossen beide den zweiten Generationendialog 2026, der deutlich machte:
Bindung entsteht dort, wo Menschen sich gesehen fühlen, wo Führung Verantwortung übernimmt – und wo Generationen einander wirklich zuhören.
Hier geht es zu allen Fotos vom 2. Generationendialog.
Wir danken allen Mitwirkenden für die wertvollen Perspektiven und den offenen und vertrauensvollen Dialog und der Wiener Städtischen Versicherung für die tolle Gastgeberschschaft. Es war ein gelungener zweiter Teil der Generationendialog-Serie, die schon am 4. März zum Thema „Zukunft des Unternehmens – gemeinsamer Job?“ in Spittal/Drau schon ihre Fortsetzung findet.
So geht es in der Serie weiter: Überblick über die Generationendialoge 2026

















