Interview Christoph Kulterer, CEO und Eigentümer HASSLACHER NORICA TIMBER im Rahmen der Interviewserie „Chancen sehen“ des Verantwortung zeigen! Netzwerks.

Die Interviewserie lässt uns an den persönlichen Erfahrungen während der Zeit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 teilhaben und an jenen Perspektiven, die sie für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft daraus gewonnen haben.

 

  1. Was waren die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten Wochen?

Wie für alle waren die letzten Wochen eine herausfordernde Situation, in der wir für uns die Erfahrung gemacht haben, dass vieles auch in einer solchen Ausnahmesituation sehr gut funktioniert und der Produktionsprozess und die Art wie wir arbeiten, sehr belastbar ist. Wir sind schnell und erfolgreich ins Homeoffice gewechselt und Meetings funktionieren auch digital. Sie können zwar das Persönliche und den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses nicht ersetzen, wenn man das hat, kann man auch über die Distanz gut arbeiten. Eine große Erkenntnis war generell, wie schnell es gehen kann, dass unsere geordnete friedliche Welt aus den Fugen gerät. Und obwohl jede Krise auch Chancen birgt, erwarten wir eine Rezession, die uns lange beschäftigen wird, zumal uns der Nachfrageeinbruch erst zeitversetzt trifft.

 

  1. Was war der wohl prägendste Moment?

Zentral war der Moment, an dem ich persönlich realisiert habe, dass es ernst ist, dass da mehr dahinter steckt, der eigene Bewusstseinswandel hin zu ‚Das ist wirklich gefährlich‘. Im Unternehmen haben wir sofort einen Krisenstab eingerichtet, der täglich alle Informationen zusammengetragen und analysiert hat und in dem auch plötzlich abgebrochene Reisemöglichkeiten und viele Unsicherheiten der Mitarbeiter und der Kunden besprochen wurden. Daraus entstand auch das Gefühl, wir halten zusammen und bewältigen das gemeinsam. Das war schon ein starker Moment.

 

  1. Was ist das Allerwichtigste, das Sie sich wünschen, dass wir aus der Krise lernen?

Wenn wir die Krise als Chance sehen, bietet sie uns die Möglichkeit, den wahren Wert der Dinge zu erkennen. Sie ermöglicht das Fragen danach, was uns wertvoll und wichtig ist, auf was wir verzichten können und was unsere eigentlichen Prioritäten sind. Wenn wir mit dieser Einstellung in die Zukunft gehen, können wir manches Problem lösen, das sich angehäuft hat. Eine Fastenzeit oder ein harter Winter kann auch etwas Gutes haben, wenn wir zugleich aufpassen, dass die Schwachen nicht unter die Räder kommen.

 

  1. Wo braucht es in Wirtschaft und Gesellschaft auch neue Wege?

Es ist zweifellos wichtig, dass wir uns als Teil einer globalen Welt verstehen. Aber wir sollten manche Dinge auch wieder regionaler machen und uns auf den Wert des Lokalen besinnen. Das aber ohne dabei – und das ist mir wichtig – in einen Nationalismus zurückzufallen. Erschreckt hat mich, wie schnell wir in Europa alle Grenzen wieder hochgezogen haben. Ich hätte gehofft und auch erwartet, dass Europa eine gemeinsame Antwort auf die Krise findet, dass zumindest gut abgestimmte Entscheidungen getroffen werden. Das zeigt Grenzen auf, an denen wir weiter arbeiten müssen.

 

  1. Welches Motto würden Sie der Zeit nach Corona zuschreiben wollen?

Es wäre schön, wenn wir in 20 Jahren sagen: Corona hat eine neue Aufklärung und die Abkehr von der Verschwendung eingeleitet. Weg von einem Leben, in dem alles auf Knopfdruck zur Verfügung steht, ohne die globalen Folgen zu bedenken. Jeder will heute alles haben, aber die Konsequenzen sollen andere tragen. Ich wünsche mir, dass ein Um- und Nachdenkprozess beginnt und wir auf ‚eine Zeit nach der Verschwendung‘ zugehen.

 

  1. Welches Glück haben Sie in den letzten Wochen entdeckt?

Die dynamische Entwicklung unseres Unternehmens und der stete Aufbau haben dazu geführt, dass ich über alle Jahren lange und viel unterwegs und auch gerne auf Reisen war. Die aktuell für mich sehr lange Zeit zu Hause hat mir gut getan, die Bewegung, einmal mit dem Hund spazieren zu gehen, die Zeit mit meinen Töchtern und in der Familie. Das war und ist eine sehr glückliche Zeit, für die ich dankbar bin.

 

28. April 2020